Manchester United: 50 Jahre am Blue Stars/FIFA Youth Cup
Erinnerungen von Wilf McGuinness
In meiner Juniorenzeit war die Reise nach Zürich zum Blue Stars Juniorenturnier jeweils der Höhepunkt. Erstmals kamen wir 1954. Wir waren natürlich glücklich, an diesem Turnier teilnehmen zu dürfen, denn dies waren unsere ersten Kontakte mit nicht englischen Mannschaften. Wir kannten deren Taktik und Spielweise noch nicht und konnten aus den Erfahrungen dieser Turniere später profitieren. Blue Stars hat hier sehr grosse Arbeit geleistet, denn sie haben jeweils starke Mannschaften eingeladen. Natürlich war es immer sehr spannend, denn wegen den kurzen Spielzeiten konnte man sich keine schwache Sekunde leisten, sonst war man sofort aus der Entscheidung um den Turniersieg gefallen.
Selbstverständlich genossen wir auch die anderen Annehmlichkeiten in Zürich wie etwa das schöne Hotel Stoller oder das Letzi-Schwimmbad. Wir wurden während unserem Aufenthalt wirklich verwöhnt. Auch spielten wir jeweils anschliessend noch einige Freundschaftsspiele gegen Amateurmannschaften in der Schweiz. Bei diesen Gelegenheiten habe ich die Schweiz lieben gelernt, die schöne und abwechslungsreiche Landschaft, die ausgezeichnete Gastronomie, die netten Leute. So bin ich später immer wieder gerne in die Schweiz zurückgekommen. Dies gilt nicht nur für mich, sondern auch für viele Manchester United Spieler, denn das Blue Stars Turnier war für manchen die erste Reise ins Ausland. Das ist der Grund, weshalb das Turnier einen so hohen Stellenwert in unserem Club hat, waren doch in den vergangen 50 Jahren sehr viele Spieler oder Trainer irgendwie damit in Kontakt. Bis zum Alter von 15 fand der Jugendfussball nur in den Schulen statt. Wenn dann ein Spieler auffiel, wurde er von den Profivereinen kontaktiert und aufgenommen. Dann konnte es sehr schnell gehen. Ich beispielsweise durchlief in einer Zeitperiode von nur fünf Jahren Englands Schülerauswahl, Juniorennationalmannschaft, U-21- und A-Nationalmannschaft. Während dieser Zeit spielte ich immer wieder in Zürich, was mir die notwendige Erfahrung in internationalen Spielen brachte.
Aber nicht nur ich machte den Schritt in die 1. Mannschaft oder gar in die Nationalmannschaft. Auch viele meiner damaligen Mannschaftskollegen machten später grosse Karrieren. Man nannte uns die «Busby Babes», nach dem damaligen Trainer Sir Matt Busby. Die meisten von den «Busby Babes» spielten in Zürich. Wir kamen aus der Juniorenbewegung und wuchsen zusammen auf. 1958 beim Flugzeugabsturz wurde der Erfolg dieser Mannschaft jäh beendet. Es starben damals 8 Spieler und 2 weitere waren so schwer verletzt, dass sie nie mehr spielen konnten. Ich persönlich hatte dabei Riesenglück, bestritt ich doch bis zum Belgrad-Spiel alle Partien, konnte aber wegen einer Meniskusverletzung die Reise nicht mitmachen. Diesem Umstand verdanke ich vermutlich, dass ich heute noch lebe. In den 50er Jahren dominierte Real Madrid den Clubfussball in Europa. Aber ich bin überzeugt, dass Manchester United ohne diesen tragischen Flugzeugabsturz, in den 60er Jahren die dominierende Mannschaft gewesen wäre.
Bis zum Alter von 17 mussten wir Amateurverträge ohne Bezahlung unterschreiben, denn es war verboten, vor diesem Alter als Profi einem Club beizutreten. Es gab aber damals einen kleinen Trick: Viele Juniorenspieler wurden vom Club als Platzwart oder Reinigungspersonal angestellt und erhielten so eine kleine Entschädigung, konnten aber trotzdem regelmässig trainieren. Wir trainierten zweimal wöchentlich am Abend und die Spiele fanden meistens am Samstag statt.
Wir hatten eine sehr erfolgreiche Juniorenmannschaft, neben dem Blue Stars Turnier gewannen wir von 195256 den englischen Junioren Cup (FA Youth Cup) fünfmal in ununterbrochener Reihenfolge (ich war dreimal selber dabei) und die meisten der Spieler schafften den Sprung in die Nationalmannschaft bereits in jungen Jahren.
Tony Whelan
Teilnehmer 19691972
«Ich habe sehr schöne und gute Erinnerungen an das Blue Stars Turnier, an welchem ich glücklicherweise dreimal teilnehmen durfte. Es war meine erste Reise ins Ausland, verbunden mit einer wunderbaren fussballerischen und gesellschaftlichen Ausbildung. Ich denke, das Blue Stars Turnier gab mir einen Kick zum Start meiner Karriere als Profi-Fussballer.»
Manchester United als Turniersieger 1954 mit Wilf McGuinness (4. v.l., unten), Bobby Charlton und Albert Scanlon sowie den später beim Flugzeugabsturz verstorbenen David Pegg, Duncan Edwards, Eddie Colman und Billy Whelan.
Manchester hatte in dieser Zeit vier Teams, das B- und A-Team, mit den jüngeren Spielern, die Reserven und die 1. Mannschaft. Es gab aber keine Alterslimiten, so konnte auch ein Spieler der 1. Mannschaft nach einer Verletzung im A-Team wieder aufgebaut werden. Es konnte also vorkommen, dass jemand in der einen Woche mit den Reserven und in der darauf folgenden mit dem A-Team oder der 1. Mannschaft spielte. Es gab auch noch keine eigentliche Juniorenmeisterschaft. Die einzigen Spiele, welche wir in der selben Altersklasse bestritten waren im FA Youth Cup. Dort gab es eine Alterslimite.
Wir spielten damals bereits sehr jung in der 1. Mannschaft. Ich bestritt mein erstes Spiel mit 17 Jahren, Bobby Charlton mit 18 und Duncan Edwards mit 16. Natürlich spielten wir nicht die ganze Saison. Matt Busby wusste genau, wie viel er uns zumuten konnte, und dosierte unsere Einsätze. Er fand die richtige Mischung zwischen den älteren, erfahrenen Spielern und uns Jungen.
Diese Entwicklung wiederholte sich anfangs der 90er Jahre, als Alex Ferguson begann, seine jungen Spieler in die Mannschaft einzubauen. Diese Mischung, zusammen mit Teamgeist, Loyalität, Kampfgeist und Einsatz macht den Erfolg von Manchester United aus. Dieser Club hat eine lange, tragische Tradition und Geschichte und gerade das macht ihn unvergleichlich. Die Spieler aus Manchester kennen die Geschichte des Clubs und geben ihn an die auswärtigen Spieler weiter. So lebt der Geist weiter.
Mark Dempsey
Teilnehmer 19811982)
«Ich werde meine erste Reise ans Blue Stars Turnier nie vergessen. Es war meine erste Reise ins Ausland, mein erster Flug, das erste Mal, dass ich einen Klubanzug tragen durfte, mein erster Coupe Romanov. Natürlich gab es nebenbei auch erstklassigen Fussball.»
Hermann Gutzler bei der Pokalübergabe an Captain Wilf McGuinness für den 2. Rang am Turnier von 1955. Gutzler war aufgrund seiner guten Beziehungen zum damaligen Mitglied des englischen Fussballverbandes und späteren FIFA Präsidenten Sir Stanley Rouss der Initiant für die Teilnahme englischer Teams ab 1951.
Wilf McGuinness, 1954 bis 1957 Teilnehmer am Blue Stars Turnier, sprach mit Hansruedi Ottiker (rechts) über seine Erinnerungen an die damalige Zeit. Wilf spielte 85 Spiele für Manchester United’s erste Mannschaft, zweimal in der englischen Nationalmannschaft und war 1970 für kurze Zeit Manager von Manchester United.