Manchester United: 50 Jahre am Blue Stars/FIFA Youth Cup
Interview mit Gary und Phil Neville
Die Gebrüder Neville nahmen mehrmals am Turnier teil. Gary viermal zwischen 1992 und 1995 und Phil dreimal zwischen 1993 und 1995. Sie sind heute Stammspieler bei Manchester United und im englischen Nationalteam. Sie haben 6 englische Meistertitel, 2 Cupsiege und die Champions-League gewonnen.
Unser langjähriger Betreuer der englischen Mannschaften, Hansruedi Ottiker, hat kürzlich mit den beiden Brüdern in Manchester gesprochen.
Was sind eure Erinnerungen an den Blue Stars/FIFA Youth Cup?
Phil: Es war und ist vermutlich immer noch eines der besten Juniorenturniere. Der Standard ist erstklassig, sehr gute Mannschaften, Unterkunft und Verpflegung lassen keine Wünsche offen. Dazu kommt das angenehme Wetter. Es ist aber auch ein sehr hartes Turnier mit vielen Spielen in einer kurzen Zeit. Dies verlangt körperliche Höchstleistungen, speziell gegen die Top-Mannschaften, welche jeweils teilnehmen. Doch die Gastfreundschaft und die Atmosphäre spornen zu Höchstleistungen an. Es ist das beste Turnier, an welchem ich während meiner ganzen Karriere teilgenommen habe.
Gab es da auch etwas Spezielles an den Turnieren?
Gary: Ich habe viermal teilgenommen. Aber nur bei der ersten Teilnahme 1992 konnte ich alle Spiele bestreiten. 1993 und 1994 erlitt ich im Laufe des Turniers Verletzungen, musste mich ärztlich behandeln lassen und durfte nicht mehr weiterspielen. 1995 erhielt ich am Abend des 1. Turniertages ein Aufgebot für das englische Nationalteam, welches in der folgenden Woche ein Länderspiel bestritt. In Absprache mit dem Trainer verzichteten wir auf einen weiteren Einsatz am Turnier, um meine Chance in der Nationalmannschaft nicht zu beeinträchtigen. Ich reiste dann auch am Freitag vorzeitig zurück nach England und bestritt die anschliessenden Freundschaftsspiele in der Schweiz nicht mehr.
Phil: Wir hatten so die Chance, gegen europäische Spitzenmannschaften wie Barcelona, Spartak Moskau und PSV Eindhoven zu spielen. Diese Gelegenheit haben wir in England nicht. So konnten wir unsere ersten Erfahrungen auf internationaler Ebene sammeln. Dadurch hatten wir Vergleichsmöglichkeiten mit den besten Spielern unserer Altersklasse und konnten viel aus diesen Spielen mitnehmen. An diesem Turnier haben wir nur gegen erstklassige Mannschaften gespielt und das zeichnet das Turnier aus. Das zeigt auch die Tatsache, dass wir auch mit einer starken Mannschaft nie gewinnen konnten.
Gary Neville (18.2.1975): 426 Spiele für Manchester United und 61 Länderspiele für England
Phil Neville (21.1.1977): 344 Spiele für Manchester United und 44 Länderspiele für England.
Zusatzspiel in Meilen 1995: v.l.n.r. Nicky Butt, Eric Harrison, Ben Thornley und Phil Neville.
Du sagst es, ihr konntet das Turnier nie gewinnen, aber einige Jahre später gewann Manchester United die Champions League mit fast den gleichen Spielern. Wie kommt das?
Phil: Wir waren einige Male sehr nahe am Turniersieg. Wir verloren im Final gegen Spartak Moskau, praktisch die damalige russische Nationalmannschaft, welche Junioren-Europameister war. Wir unterlagen im Final auch zweimal gegen Barcelona. Sie hatten eine sehr starke Mannschaft mit guten Einzelspielern. Tatsache ist, dass wenn es zum Finalspiel kommt, beide Mannschaften viele Spiele in kurzer Zeit absolviert haben und dementsprechend müde sind. So gewinnt nicht ungedingt das bessere Team. Dass wir nie gewonnen haben ist nicht so wichtig, für uns waren die Erfahrungen wertvoller.
Gary: Es ist schon so, vielfach gewinnt im Final einfach die Mannschaft, welche weniger müde ist. Die Finalspiele sind nicht unbedingt die besten Spiele während des Turniers. Natürlich waren wir jeweils sehr enttäuscht, dass wir nicht wir gewonnen haben, aber wir konnten an jedem Turnier unsere Erfahrungen mitnehmen.
Turnierteam 1994 mit fünf späteren England-Internationalen: Gary und Phil Neville (6. v.l. und 9. h.l), David Beckham (2. v.l.), Nicky Butt (2. h.l.) und Pauls Scholes (7. h.l.). Ebenfalls im Team Keith Gillespie (5.v.l.), Nordirland-Internationaler.
Könnt Ihr euch an gewisse Spieler erinnern? Ihr seid die Neville-Brothers. In der Schweiz haben wir die Yakin-Brüder. Hakan, die aktuelle Nummer 10 der Schweizer Nationalmannschaft, spielte 1995 gegen euch.
Phil: Nein ich kann mich nicht an Hakan Yakin erinnern. Natürlich weiss ich jetzt, wer er ist, wir haben ja in der Champions-League gegen Basel gespielt und die beiden Brüder sind hervorragende Spieler. Ich mag mich nur an Ivan De la Peña von Barcelona erinnern. Er war zum damaligen Zeitpunkt einer der besten Juniorenspieler in Europa.
Phil, du sagst De la Peña war damals einer der besten Spieler. Wenn ich aber seine Karriere mit eurer vergleiche, hat sie sich unterschiedlich entwickelt.
Phil: Es ist nicht wichtig, mit 17 bereits zu den besten Spieler zu gehören und nachher zu stagnieren. In dieser Altersklasse geht es nicht nur darum, zu gewinnen oder der Beste zu sein.
Gary: Es ist richtig, zu siegen ist nicht das Wichtigste. Die Spieler müssen an diesen Turnieren lernen, sie haben erste Kontakte mit ausländischen Mannschaften. Was sie schliesslich daraus mitnehmen, ist wichtig und nicht unbedingt der Turniersieg. Für Manchester United ist es wichtig, dass die jungen Spieler aus diesen Turnieren lernen und dies später auch umsetzen können.
Wer hatte in der Juniorenzeit den grössten Einfluss auf euch?
Phil: Natürlich zuerst unser Vater. Als wir noch klein waren, hat er uns immer wieder zu den Spielen mitgenommen. Er hat uns immer unterstützt. Bei Manchester United war es vor allem Eric Harrison. Er war damals der Juniorentrainer und hat sehr viel von uns verlangt, war aber stets fair und ehrlich mit uns. Er hat uns auch immer wieder an Turniere, wie das Blue Stars Turnier mitgenommen, damit wir uns vergleichen konnten mit den besten Mannschaften. In einem Club wie Manchester United, der immer in europäischen Wettbewerben mitspielt, ist es sehr wichtig, dass sich die jungen Spieler bereits an die internationale Atmosphäre gewöhnen.
Gary: Unser Vater ist immer noch unser grösster Fan. Er verpasst keines unserer Spiele. Eric hat grossen Wert darauf gelegt, dass wir aus den internationalen Turnier viel mitnehmen. Er hat uns immer wieder auf die nationalen Unterschiede aufmerksam gemacht, einige Sachen haben wir auch kopiert und übernommen. Er hat uns auch gezeigt, dass wir bezüglich Technik noch nicht das höchste Niveau hatten. Dies hat uns angespornt, noch besser und härter zu trainieren. Im Alter von 14 bis 20 ist die Unterstützung von Trainern und Eltern sehr wichtig. Wer erfolgreich sein will, muss alles andere hinter den Fussball stellen. Da werden Ausgang und Mädchen zur Nebensache.
Von der damaligen Juniorenmannschaft sind praktisch alle noch bei Manchester United. Wieso ist das so?
Phil: Wenn du Manchester United verlässt, ist dies nur in einer Richtung möglich, nämlich abwärts. Für mich ist dies der beste und grösste Club Europas. Wir waren und sind erfolgreich und es gibt keinen besseren Ort zu spielen, als im Old Trafford vor 67’000 Fans. Wir haben einen grossartigen Manager, er ist loyal mit uns und wir sind es mit ihm respektive dem Club. Dazu sind wir alles grosse Manchester United Fans und wir können uns gar nicht vorstellen, für einen anderen Klub zu spielen.
Wir haben jetzt über die Vergangenheit gesprochen. Wo seht ihr euch in Zukunft? Was macht ihr, wenn eure Aktivzeit vorbei ist?
Phil: Das geht hoffentlich noch einige Jahre. Ich habe noch nie sehr ernsthaft darüber nachgedacht. Derzeit bilde ich mich aber zum Trainer aus und trainiere, soweit dies zeitlich möglich ist, eine Amateurmannschaft. Ich kann mir vorstellen, später als Trainer zu arbeiten oder sonst in einer Tätigkeit verbunden mit Fussball.
Gary: Auch ich habe meine Trainerausbildung begonnen. Ich trainiere in Bury, meinem Heimatort, eine Schülermannschaft. Auch ich kann mir vorstellen, später als Trainer zu arbeiten.
Gary und Phil, vielen Dank für dieses Gespräch und weiterhin viel Erfolg in eurer Karriere.