Boca – die Talentschmiede

Die Boca Juniors waren 2011 zuletzt am Blue Stars/FIFA Youth Cup

Die Boca Juniors waren 2011 zuletzt am Blue Stars/FIFA Youth Cup

Selbst wenn die aufstrebenden Argentinier von Boca Juniors keine zwanzig sind, verkörpern sie in Zürich ein grosses Stück Fussballhistorie: Der Klub verfügt über ein bekanntes Leistungszentrum und gehört zu den geschichtsträchtigsten Vereinen Südamerikas. Sehen die Besucher des Blue Stars/FIFA Youth Cup den nächsten Superstar?

«Das beste Stadion der Welt»

Vom weltberühmten «Casa Rosada» in Buenos Aires, wo einst die Primera Dama Evita vom Balkon winkte, sind es 3,6 Kilometer zur Bombonera, dem Stadion der Boca Juniors. Ein schöner Fussmarsch also, auf dem man Argentiniens Hauptstadt in all ihren schönen Facetten erleben kann. Und am Ende der Strecke steht er dann, der gute alte Betonbau, entstanden zwischen 1938 und 1940, mitten im farbenfrohen Viertel La Boca, wo man auf den Strassen den Tango tanzt.

49'000 Zuschauer passen hinein. Und manch ein Auswärtiger hatte diese Zahl schon belächelt, weil ja jeder andere Weltklub von mehr Anhängern unterstützt wird im Stadion. Wer aber schon einmal auf den Bombonera-Rängen stand, der weiss: Es geht hier nicht um die Masse, sondern um Emotionen. Bei La Boca lärmen die Fans so euphorisch, dass unten der Rasen bebt. «Ich habe so etwas noch nie erlebt», sagt beispielweise Christian Giménez (ehemals Boca Juniors und FC Basel). «Es ist so laut, dass man sich mit den anderen Spielern nicht verständigen kann. Für mich das beste Stadion der Welt.»

Bombonera (offizieller Stadionname: Estadio Alberto Jacinto Armando) heisst zu Deutsch: Pralinenschachtel. Der Legende nach erhielt sie ihren Namen, weil der Architekt zum Geburtstag Pralinen geschenkt bekam, und die Schachtel in ihrer Form dem Stadion ähnlichsah. Definitiv ist die urige und steile Arena bis heute für jeden Fussballtouristen eine süsse Versuchung. Und obschon in jüngster Vergangenheit immer wieder Gerüchte aufgekommen sind, wonach der Klub bald mit einer grösseren und modernen Heimstätte wirtschaften wolle, wurden solche Pläne immer wieder zerschlagen. Die eigenen Fans vergöttern den Ort. Zur Marke Boca Juniors, an die in Südamerika kein anderer Verein herankommt, gehören immer auch Kampf, Leidenschaft und eben auch ein paar Risse im Beton.

Die Boca-Akademie

Ein Arbeiterklub ist La Boca immer geblieben. Er wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von einer Gruppe eingewanderter Werftarbeiter aus Italien gegründet. Gespielt wurde dann natürlich unweit vom Hafen, es gab ein kleines Stadion mit ein paar Holztribünen, an der Stelle, wo heute die Bombonera steht. Was folgte, ist eine ruhmvolle Geschichte: Auf 18 internationale Titel blickt der Verein heute zurück. Sechs Mal schon konnte er die prestigeträchtige Copa Libertadores gewinnen. Und immer wieder zogen grosse Spieler in die Welt, die bei den Boca Juniors das Fussballspielen gelernt haben.

Der Klub verfügt über eine herausragende Sportschule, eine Akademie, die sich in den letzten Jahrzehnten zu einem professionellen Leistungszentrum entwickelt hat. Der Talentschmiede von Boca Juniors entstammen etwa Weltklassespieler wie Carlos Tevez (u.a. Manchester United, Juventus Turin) Fernando Gago (u.a. Real Madrid, AS Rom) oder Juan Román Riquelme (u.a. Barcelona). «Die Boca-Akademie vereint alles, was ein junger talentierter Sportler benötigt», sagt Giménez. «Es ist kein Zufall, dass viele Junioren dieses Klubs eine grosse Karriere machen.»

Die Bombonera ist übrigens bei jedem Spiel ausverkauft. Der Klub könnte, hat er einmal ausgerechnet, 250'000 Dauerkarten pro Jahr verkaufen. Bestrebungen, sich auf eine Warteliste setzten zu lassen, hat in Buenos Aires eigentlich keiner mehr. Die Saisontickets von La Boca werden innerhalb der Familie weitervererbt. Doch darüber muss sich zumindest Diego Maradona keine Gedanken machen. Bocas grösste Ikone hat im Stadion eine VIP-Loge auf Lebzeiten geschenkt bekommen.


(sca)
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