Interview mit Nico Elvedi

Im Jahre 2006 wechselte er vom FC Greifensee in die FCZ-Nachwuchs-Abteilung. Vor zwei Jahren war er Captain des FC Zürich-Nachwuchs-Teams am Blue Stars/FIFA Youth Cup 2015. Heute ist er Schweizer Nationalspieler und erfolgreicher Bundesliga-Profi bei Borussia Mönchengladbach. In Nico Elvedi‘s Karriere ging es sehr schnell. Der 20-Jährige ist sich dessen bewusst und weiss, dass er jetzt erst recht hart und professionell weiterarbeiten muss. Im Interview erzählt Elvedi aber unter anderem auch, dass in den letzten zwei Jahren nicht alles so einfach war, wie man meinen könnte.

Online-Redaktion youthcup.ch: Nico Elvedi, was für Erinnerungen hast Du an den Blue Stars/FIFA Youth Cup? Vor zwei Jahren hast Du mit dem FCZ bekanntlich das Finalspiel gegen den FC Luzern verloren…

Nico Elvedi: …stimmt, aber nichts destotrotz habe ich sehr gute Erinnerung an den Blue Stars/FIFA Youth Cup. Es ist ein tolles Turnier. Man hat als Teilnehmer die Möglichkeit sich mit Top-Mannschaften zu messen. Es ist ein Turnier, indem du dich als Spieler beweisen kannst. Viele, kompetente Augen sind auf dich gerichtet. Viele Scouts von Top-Klubs sind da. Diese Tatsache macht das Turnier noch spezieller. Ich habe damals sicher einen guten Blue Stars/FIFA Youth Cup gespielt. 

Dann war der Blue Stars/FIFA Youth Cup auch für dich sozusagen eine Art Sprungbrett?

Sagen wir’s mal so: Es war nicht das Haupt-Sprungbrett. Ich hatte ja vor dem Turnier bereits ein paar Einsätze in der ersten Mannschaft des FC Zürich. Eines ist sicher: ich wollte unbedingt am Blue Stars/FIFA Youth Cup dabei sein. Ich hatte das Turnier noch nie bestritten zuvor und deshalb war es für mich wichtig dabei zu sein. 

Aber was Du in den letzten zwei Jahren in Deiner noch jungen Karriere erlebt hast, ist wirklich bemerkenswert und fast schon unglaublich. 

Man könnte meinen ja. Sicherlich bin ich sehr glücklich und dankbar, wie sich alles entwickelt hat. Mein Wechsel zu Borussia Mönchengladbach im Sommer 2015 kam überraschend. Alles passierte so schnell. Es hat alles gepasst mit Gladbach. Ich wusste, dass die Borussia auf junge Spieler setzt und mit jungen Spielern arbeitet. 

Es gab allerdings auch Fachexperten, die gemeint haben, dass Dein Wechsel in die Bundesliga zu früh gekommen sei…

Ja, diese Aussagen habe ich damals auch gehört. Ich fühlte mich bereit und war von mir überzogen. Ich habe mir diesen Schritt zugetraut. Die ersten Wochen und Monate habe ich etwas Angewöhnungszeit gebraucht. Gegen Ende der Vorrunde 2015/2016 bekam ich nach dem Trainerwechsel immer mehr Einsätze in der ersten Mannschaft. Ich habe danach praktisch alle Spieler in der Rückrunde gemacht und spürte auch das Vertrauen. 

Zwischendurch gab es aber auch den einen oder anderen Rückschlag, oder? 

Als damals der neue Trainer zu uns stiess, zog ich mir eine Hüftverletzung zu. Ich fiel über einen Monat aus. So lange war ich noch nie verletzt bisher. Ich arbeitete hart für mein Comeback. Es ist klar, dass du dich gerade beim neuen Trainer beweisen willst. Die ersten Einsätze nach der Verletzung waren positiv. Ich war also wieder dabei und konnte zeigen, dass man sich in mir nicht getäuscht hatte

Nochmals zurück zu deinem Wechsel im Sommer 2015 zu Mönchengladbach. Du warst damals gerade mal 18 Jahre alt. Was war besonders schwierig? Was unterschätzt man als junger Spieler bei so einem Wechsel?

Die ersten Wochen sind sicherlich für jeden jungen Spieler, der das Abenteuer Ausland wagt, eine besondere Herausforderung. Ich war weg von zu Hause. Du hast natürlich etwas Heimweh zwischendurch, jedoch nichts Dramatisches. Ich wollte dies ja tun und ich wollte mich durchsetzen. Alles hat sich dann schnell normalisiert. Ich habe immer mehr gespielt und mich natürlich immer wohler gefühlt. 

Was kann ein 20-jähriger Bundesliga-Profi und Schweizer Nationalspieler einem jungen Spieler mit auf dem Weg geben? Was für Tipps gibst Du ambitionierten Spielern, die vielleicht eine ähnliche Karriere planen wie deine?

Das Gesamtpaket muss bei einem solchen Wechsel stimmen. Man soll bei der Klub-Wahl wirklich darauf achten, dass der Verein auch mit jungen Spielern arbeiten und sie fördern will. Wichtig ist auch das Verhältnis zum Trainer der ersten Mannschaft. Er muss sicherlich gewillt sein, junge Spieler einzubauen und mit ihnen zu arbeiten. Das sind eigentlich die wichtigen Aspekte. Man soll nicht nur aufs Geld schauen, sondern vorher abklären, was der Verein aus dir machen will. 

Du bist dank harter Arbeit dort angelangt, wo Du jetzt bist. Die Zukunft könnte ja weiterhin so rosig laufen: Erfolgreich im Klub, hoffentlich auch mit der Nationalmannschaft, vielleicht sogar WM-Teilnehmer…besser geht’s gar nicht! 

Tatsächlich ist es in den letzten zwei Jahren stetig bergaufgegangen für mich. Ich bin mir stets bewusst, dass es im Laufe meiner Karriere nicht immer so sein wird. Ich geniesse jede Sekunde und versuche immer mein Bestes zu geben. Ich hoffe natürlich, dass es in diesem Stil weitergeht. Das Motto ist und bleibt: weiter hart arbeiten, mich voll auf die Karriere und die Leistungen zu konzentrieren und von Jahr zu Jahr schauen, wie es aussieht.

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