„Wir sollten den Titel nach Wolfsburg holen!“

Noëlle Maritz spielt seit 2013 beim VfL Wolfsburg (Bild: Regios24)

Noëlle Maritz spielt seit 2013 beim VfL Wolfsburg (Bild: Regios24)

Zum zweiten Mal gibt es beim Blue Stars/FIFA Youth Cup ein Frauenturnier. In diesem Jahr feiern die U-19-Juniorinnen des VfL Wolfsburg ihr Debüt. Wir haben mit einer Spielerin gesprochen, die sowohl den Verein als auch den Austragungsort sehr gut kennt. Die 23-jährige Noëlle Maritz ist Schweizer Nationalspielerin und geht seit 2013 mit dem VfL Wolfsburg auf Titeljagd.

Frau Maritz, wie wichtig ist ein Nachwuchsturnier wie der Blue Stars/FIFA Youth Cup für die Entwicklung des Frauenfussballs?
Für junge Talente ist es definitiv ein Ansporn, bei einem solchen Turnier mitzumachen, da sie sich dadurch mit den Besten messen können und die Möglichkeit erhalten, gesichtet zu werden.

Welche Eigenschaften müssen Juniorinnen denn mitbringen, um auch den Sprung zu den Profis zu schaffen?
In der Schweiz lernst du einen Beruf oder besuchst die Schule, da ist es nicht einfach, jeden Abend noch zum Training zu gehen und dort Vollgas zu geben. Das erfordert einen gewissen Ehrgeiz, andererseits aber auch eine Art von Lockerheit. Der grösste Faktor ist meiner Meinung nach jedoch der Spass am Fussballspielen.

Wie sind Sie zum Fussball gekommen?
Ich bin in den USA aufgewachsen. Dort hat der Frauenfussball einen riesigen Stellenwert. Während die Jungs zum Baseball gehen, spielen die Mädchen Fussball – meine Eltern haben mich deshalb auch früh zum Training angemeldet. Ich war etwa vier oder fünf Jahre alt.

War das ein Vorteil?
In den USA fängt die Förderung früh an und du lernst die Basics, während du noch sehr jung bist. Das würde ich vielleicht schon als Vorteil sehen, da du in sehr jungen Jahren schon alles mit auf den Weg bekommst.

Wie hat Sie die Zeit in den USA geprägt?
Ich habe definitiv diese typische amerikanische Mentalität, dieses „never give up“ und „mach immer weiter“ mitgenommen. In der Schweiz war ich dann schon ein bisschen älter und habe bei den Jungs gespielt, bin aufs Internat gegangen und habe Fussball daher noch einmal von einer anderen Seite kennengelernt.

2013 sind Sie dann vom FC Zürich zum VfL Wolfsburg gewechselt. Was zeichnet den Verein aus?
Dadurch, dass wir nahe an den Männern dran sind, treten wir gesamtheitlich auf. Das wirkt sehr professionell und ist es auch! Der Verein leistet gute Arbeit. Es spricht ja auch für sich, dass jedes Jahr internationale Topspielerinnen zum Team stossen.

Wie bewerten Sie die Entwicklung des Frauenfussballs insgesamt?
Es geht auf jeden Fall in die richtige Richtung. Inzwischen werden in anderen Ländern Stadien mit 60.000 Leuten gefüllt. Das ist wichtig für den Frauenfussball. Jetzt heisst es dranzubleiben und alles zu geben, sodass die Klubs das auch weiterhin fördern wollen.

Welche Anreize können noch geschaffen werden?
Die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft dieses Jahr in Frankreich wird mit Sicherheit ein Erfolg sein, da die Franzosen sehr fussballbegeistert sind. Ich denke und hoffe zugleich, dass das Turnier einen weiteren Aufschwung für den Sport und einen Hype auslöst.

Die Schweiz hat sich nicht für die WM qualifiziert. Wie geht es weiter?
Es war sehr enttäuschend, dass wir die WM nicht geschafft haben, aber wir bleiben natürlich dran und haben jetzt noch ein wenig Zeit, um uns auf die EM-Qualifikation vorzubereiten. Wir sollten uns als Team weiterentwickeln und uns auch weiterhin an grosse Turniere herantrauen.

Was haben Sie sich persönlich vorgenommen?
Für mich persönlich ist das oberste Ziel, dass ich kontinuierlich auf hohem Niveau gute Leistung zeige, mich weiterentwickle und niemals stehenbleibe. Mit dem VfL als Team möchte ich natürlich weitere Titel gewinnen.

Und trauen Sie den VfL-Juniorinnen auch den Titel beim Youth Cup zu?
Das Turnier ist sehr gut besetzt, aber wir haben eine sehr gute Nachwuchsabteilung. Ich denke schon, dass das Team nicht nur mitkicken, sondern vielleicht auch etwas reissen kann. Wir sollten den Titel nach Wolfsburg holen!

(Annette Braun)

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